Deutsche und Russische Jugendliche entwickelten im Herbst 2014 ein gemeinsames Theaterstück über die Landesgrenzen hinweg. 2015 bringen sie es in beiden Ländern zur Aufführung. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen jugendstil - das kinder- und jugendliteraturzentrum (Projektträger deutsche Seite), dem Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, dem Westfälischen Landestheater, bunt international e.V. und der Emschergenossenschaft und auf russischer Seite mit der Robert-Bosch-Stiftung, dem Goethe-Institut, dem Kulturministerium Astrachan und der Direktion zur Realisierung von Festivals, Wettbewerbs- und Kulturgroßveranstaltungen Astrachan. Das Projekt versteht sich als Teil der Projektfamilie "FlussLandStadt. Eure Heimat - euer Roman".

Copyright Bild: Elisaweta Sliwinska

 

Die Idee

Deutsche und russische Jugendliche (in Deutschland: 21 Teilnehmer, in Russland: 8 Teilnehmer) verfassten im Herbst 2014 in einer Reihe von Workshops einen gemeinsamen Theatertext über die Ländergrenzen hinweg. Schreibend loteten sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihren Ländern und Kulturen aus, begaben sich in den kulturellen Zwischenraum und entdeckten so nicht nur die „fremde“ Kultur, sondern auch die eigene Kultur aus neuer Perspektive. Der Austausch erfolgte virtuell (Skype, Blog und E-Mail) mit Hilfe von Übersetzern und Experten der Interkultur. Auch die Städte, in denen die Jugendlichen leben, spielen eine Rolle für das Theaterstück: Castrop-Rauxel auf deutscher Seite, Astrachan auf russischer Seite.

Projektteam auf deutscher Seite:

Projektleiterin und Werkstattleitung: Dr. Sarah Meyer-Dietrich im Auftrag von Jugendstil – das kinder- und jugendliteraturzentrum nrw und Friedrich-Bödecker-Kreis NRW

Werkstattleitung und Theaterpädagogin: Dr. Ipek Abali
Interkulturelle Beraterin: Janna Keberlein, bunt international e.V.


Projektteam auf russischer Seite:

Projektleitung: Kathrin Oerters, Robert Bosch Kulturmanagerin, in Zusammenarbeit mit der Direktion zur Realisierung von Festivals, Wettbewerben und Kulturgroßveranstaltungen
Werkstattleiter: Roman Bekkulov
Theaterpädagoge: Sergej Taraskin

Interkulturelle Beraterin: Anna Akishina, Multiplikatorin des Goethe-Instituts in Astrachan

Übersetzer:

Irina Bondas und Nikolaj Stepkin, unterstützt von: Olga Kelsch, Jana Dobrjanskaja, Irina Kim, Elena Sedowa, Irina Pawlowa

 

(Fotos: Sofia Korobkova)

Auf einem deutsch-russischen Fachkräfteaustausch, der von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert wurde, konnten sich die Akteure erstmals persönlich austauschen und trafen dort auch auf Teilnehmer des Jugendclubs des Westfälischen Landestheaters (siehe Fotos). Einen Bericht zum Austausch finden Sie auf der Homepage des WLT.

 

Partner und Förderer

"Zwischen uns"  ist ein Kooperationsprojekt von: jugendstil- das kinder- und jugendliteraturzentrum (Projektträger), Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, das Westfälische Landestheater, bunt international e.V. und der Emschergenossenschaft. Auf Russischer Seite: Robert-Bosch-Stiftung, Goethe-Institut, Direktion zur Realisierung von Festivals, Wettbewerbs- und Kulturgroßveranstaltungen Astrachan, Kulturministerium Astrachan.

Finanziert wird "Zwischen uns" auf deutscher Seite aus Sonderprojektmitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW, sowie aus Mitteln der Emschergenossenschaft. Das Projekt findet im Rahmen des "Jahres der deutschen Sprache und Literatur in der Russischen Föderation" statt und wird vom Auswärtigen Amt gefördert.

 

 

 

Premiere Theaterstück 

Der Text bildet die Grundlage für eine Inszenierung des Stücks mit den Jugendlichen unter Anleitung von Theaterpädagogen in beiden Ländern in 2015. In Castrop-Rauxel werden Inszenierung und Aufführung in den Jugendclub des Westfälischen Landestheaters integriert. In Russland wird das Projekt zusammen mit Sergej Taraskin und dem „Sojuz teatralnich De-jateleij“ vertreten durch Ekaterina Kotschetkova realisiert.

Am 8. Mai 2015, 20 Uhr wird das Theaterstück vom Jugendclub des Westfälischen Landestheaters uraufgeführt.

Eine weitere Vorstellung findet am 4. Juni 2015, 15 Uhr im Theater Dortmund statt.

Weiterführende Informationen zu den Aufführungen finden Sie hier.

 

Buchpublikation

Das Theaterstück ist außerdem zweisprachig im Band "Endstation Emscher. Zwei Hellweg-Krimis" nachzulesen (Klartext Verlag, 2015). Der Band enthält auch die gleichnamige Erzählung aus dem Projekt "Mord in der Hellweg-Bahn" (ebenfalls Projektfamilie "FlussLandStadt. Eure Heimat - euer Roman") und wurde mit Unterstützung der Emschergenossenschaft realisiert.

So ist die Arbeit über die Inszenierung hinaus der Öffentlichkeit zugänglich, indem der Text nachgelesen werden kann, aber auch anderen Jugendtheatern oder Theater-AGs zur Nutzung zur Verfügung steht.

Auch inhaltlich gibt es eine Verbindung zur Projektfamilie, denn im Theaterstück spielt Ella, Protagonistin des Romans "Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie" (Projekt: "Am Fluss entlang schreiben"), eine tragende Rolle.

Aus dem Klappentext: Ella hat die Nase voll. Ihre Eltern wollen zurück nach Russland und sie soll mit. Von wegen! Schließlich ist sie in Deutschland zu Hause. Wütend zieht sie bei ihrer Oma in Castrop-Rauxel auf dem Dachboden ein. Dort stößt sie auf einen Koffer mit seltsamem Inhalt: eine Pistole, blutbeflecktes Geld, alte Fotos und Liebesbriefe. Durch den Koffer entspinnt sich ein Briefwechsel mit Ilja, der in Russland wohnt. Gemeinsam versuchen Ella und Ilja das Geheimnis um den Koffer zu lüften und stoßen auf eine Wahrheit, die sie vielleicht lieber nicht gekannt hätten.

29 Jugendliche aus Deutschland und Russland haben das Theaterstück von Ella und Ilja, das in diesem Band zweisprachig vorliegt, wechselseitig über Ländergrenzen hinweg geschrieben.

Am 7. Juni 2015 präsentierten die jungen Autoren das Buch mit Leseproben, kleinen Theaterszenen und Talkrunden in der Zeche Carl.

 

Projektbericht

Workshop // Interkultur

In einem Workshop "Interkultur" wurden die Teilnehmer auf das interkulturelle Arbeiten vorbereitet. Auf deutscher Seite leitete Janna Keberlein von bunt international e.V. den Workshop. Mit dabei war Tscheburaschka (Foto links), Held einer russischen Zeichentrickserie. Auf russischer Seite (Foto rechts) leitete Anna Akishina vom Goethe Institut Astrachan den Workshop Interkultur.

 

Workshop // Rollenbiographie + Plot-Entwicklung

In einem ersten Workshop entwickelten die Teilnehmer in Deutschland (Foto links) und in Russland (Foto rechts) je zu einem Protagonisten eine Rollenbiographie. Protagonistin auf deutscher Seite ist Ella, Tochter russischer Einwanderer, die bereits im Roman "Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie" (Projekt: "Am Fluss entlang schreiben") eine tragende Rolle spielte. Die russischen Teilnehmer erfanden den Protagonisten Ilja, der in Astrachan lebt.

Als weitere Vorbereitung auf das erste gemeinsame Treffen der russischen und deutschen Teilnehmer entwickelte jede der beiden Gruppen Vorschläge, wie die beiden Protagonisten Ella und Ilja sich im Theaterstück begegnen könnten.

 

Workshop // Skype

Am 5.11.2014 trafen sich die deutschen und die russischen Teilnehmer das erste Mal - und zwar via Skype! Nach einer Vorstellungsrunde ging es auch gleich ans gemeinsame Arbeiten. Jede Gruppe stellte ihre Vorschläge vor, wie die Protagonisten Ella und Ilja im Theaterstück aufeinandertreffen könnten. Die Ideen passten erstaunlich gut zusammen, sodass schnell die Idee für die Konstruktion des Stücks feststand: In einem alten Koffer findet Ella Briefe von Iljas Mutter. Ella schreibt an den Absender der Briefe ... und Ilja antwortet. Was Ella nebenbei in Castrop-Rauxel und Ilja in Astrachan erlebt, steht den Gruppen frei. Vorerst sind es nur die Briefe, die zwischen den Protagonisten, aber auch zwischen den Teilnehmern hin und her wandern ...

 

Exkursion // Emscher

(Fotos: Frank Vinken)

Ella, die Protagonistin aus dem Roman „Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie“, den 2013 insgesamt 64 Jugendliche, darunter auch Teilnehmer aus Castrop-Rauxel, schrieben, kehrt in „Zwischen uns - между нами“ an die Emscher zurück. Weil Ella bereits im Roman einen besonderen Bezug zur Emscher hatte, sollte dieser Charakterfluss des Ruhrgebiets auch im neuen Projekt eine Rolle spielen. Zur Inspiration machten die Castroper Projektteilnehmer am 16.11. eine Exkursion an die Emscher. Angeleitet von Prof. Dr. Martina Oldengott (Emschergenossenschaft) erfuhren sie einiges über den Fluss im Wandel. Die Ruhrnachrichten Castrop-Rauxel waren mit vor Ort und haben die Exkursion in einem kleinen Video festgehalten.

 

Workshops // Stückentwicklung

In Castrop-Rauxel entwickelten die Teilnehmer mit Hilfe von Improvisationen eine erste Szene für das Theaterstück: Alles beginnt mit einem Koffer, den Ella auf dem Dachboden ihrer Großmutter findet, zu der sie für eine Weile zieht. Neugierig geworden schreibt sie einen Brief an Marija, die Absenderin der Liebesbriefe ... Ellas Brief wiederum bildete die Grundlage für die erste Werkstatt in Astrachan. Darauf aufbauend entwickelten die Jugendlichen dort eine Szene, die Ilja erlebt und schrieben einen Brief, den er als Antwort nach Deutschland zurück schickt. In Castrop-Rauxel improvisierten die Jugendlichen Ellas Reaktion auf diesen Brief ... und schickten natürlich einen Antwortbrief zurück. Im Dezember 2014 wurden letzte Szenen und Briefe fertig gestellt.

 

Impressionen aus den Werkstätten (Fotos linke Seite: Anatolij Denikin; Fotos rechte Seite: Volker Beushausen):

 

Impressionen aus der Probenphase in Castrop-Rauxel (Januar 2015)

 

Projektfamilie FlussLandStadt

Das Projekt versteht sich als Teil der Projektfamilie "FlussLandStadt. Eure Heimat - euer Roman" der Partner Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, Emschergenossenschaft und jugendstil – dem kinder- und jugendliteraturzentrum nrw, in deren Rahmen Jugendliche aus dem Ruhrgebiet sich die eigene Stadt oder Region unter verschiedenen Gesichtspunkten erschrieben (Vorgängerprojekte: „Am Fluss entlang schreiben“„Quer durch die Städte schreiben“ und „Picknick im Park“). Die Texte, die in diesen Projekten entstehen, sind durch Überschneidungen in der Personenkonstellation lose inhaltlich miteinander verknüpft. Das Theaterstück aus „Zwischen uns“ schaffte ebenfalls Bezüge, indem es Ella, Protagonistin aus dem Roman „Stromabwärts“ und Tochter russischer Einwanderer, zu einer zentralen Figur machte.